Warum kann man manche Karnivoren einfach nicht kaufen?

Bei fleischfressenden Pflanzen passiert irgendwann etwas Merkwürdiges.

Am Anfang freut man sich über eine Venusfliegenfalle, einen Sonnentau und vielleicht die erste Nepenthes. Später stolpert man dann über Arten, von denen man vorher noch nie gehört hat. Und irgendwann sieht man eine und denkt einfach:

Die hätte ich gern. Wo bekommt man die?

Bei mir war das zuletzt Triantha occidentalis. Eine Pflanze, bei der die klebrigen Fangdrüsen ausgerechnet am Blütenstängel sitzen. Seit 2021 ist ziemlich klar, dass sie tatsächlich Nährstoffe aus gefangenen Insekten aufnimmt.

Mein Gedanke war sofort: So eine will ich haben. Nicht fürs Fensterbrett, sondern fürs Moorbeet. Oder erstmal in einen eigenen Moorkübel, damit ich sehe, wie sie sich hier überhaupt verhält.

Gefunden habe ich sie tatsächlich – nur nicht lieferbar

Zuerst dachte ich, Triantha würde überhaupt niemand verkaufen. Dann bin ich bei Giardino Carnivoro in Italien gelandet.

Der Shop ist sowieso gefährlich, wenn man nur mal kurz schauen wollte. Da stehen deutlich mehr ungewöhnliche Sachen als bei den üblichen Karnivorenhändlern. Und tatsächlich: Triantha occidentalis, Herkunft Klamath-Siskiyou-Region, 39 Euro.

Nur leider: ausverkauft.

Immerhin war damit klar, dass die Pflanze nicht nur irgendwo in botanischen Gärten existiert. Sie ist in Kultur und taucht offenbar gelegentlich sogar im Handel auf.

Das Problem ist oft nicht die Pflanze allein

Bei einer Venusfliegenfalle weiß man heute ziemlich genau, was funktioniert. Aussaat, Winterruhe, Teilung, Substrat – über Jahrzehnte wurde praktisch alles ausprobiert.

Bei Triantha occidentalis fehlt genau diese breite Erfahrung. Die Pflanze wurde erst vor wenigen Jahren überhaupt als Karnivore erkannt. Entsprechend wenige Leute kultivieren sie gezielt und schreiben darüber.

Vielleicht ist sie gar nicht so schwierig. Vielleicht fehlt uns einfach noch die Routine.

Bei anderen Arten ist es dagegen wirklich kompliziert. Philcoxia zum Beispiel wächst in sehr speziellen Sandhabitaten in Brasilien. Bei Philcoxia minensis wurde schon beschrieben, dass die langfristige Kultur im Gewächshaus schwierig ist und auch die Keimung Probleme macht.

Triphyophyllum peltatum ist wieder ein anderer Fall. Die westafrikanische Liane bildet ihre karnivoren Blätter nur in einer bestimmten Entwicklungsphase. Man kann sie kultivieren und sogar vegetativ vermehren, aber daraus wird trotzdem keine einfache Pflanze fürs Wohnzimmer.

Und dann braucht man erstmal Ausgangsmaterial

Das klingt banal, ist aber wahrscheinlich oft der größte Engpass. Irgendwo müssen legale Samen, Stecklinge oder Pflanzen herkommen. Und die müssen sich in Kultur auch noch weitervermehren lassen.

Wildpflanzen ausgraben wäre natürlich genau der falsche Weg. Gerade bei seltenen oder neu interessant gewordenen Arten sollte es darum gehen, vorhandenes Kulturmaterial weiterzugeben.

Bei Triantha hatte ich außerdem im Kopf, dass die Samen nur sehr kurz keimfähig wären. Dafür finde ich bisher allerdings keine vernünftige Quelle. Also schreibe ich das auch nicht einfach hin.

Was sich finden lässt: Für Triantha occidentalis werden ungefähr 60 bis 90 Tage feucht-kalte Stratifikation empfohlen. Danach können die Samen offenbar gut keimen. Schwieriger scheint eher die Zeit danach zu sein, weil die Jungpflanzen langsam wachsen und wohl nicht jede durchkommt.

Heißt für mich: Falls ich tatsächlich Samen bekomme, wandern sie erstmal für ein paar Monate feucht und kühl in den Kühlschrank. Danach sehen wir weiter.

Also suche ich weiter

Im Moment ist mein Problem jedenfalls noch nicht das Substrat. Ich habe schlicht keine Pflanze und keine Samen.

Über ein paar Kontakte über sieben Ecken wird inzwischen mitgesucht. Vielleicht steht irgendwo eine Pflanze herum, vielleicht hat jemand Saatgut, vielleicht taucht sie bei Giardino Carnivoro wieder auf.

Und wenn irgendwann tatsächlich eine Triantha hier landet, kommt sie nicht einfach zwischen die anderen Töpfe.

Dann bekommt sie ihren eigenen Versuch.

Triantha im Moorkübel.

Mit Aussaat oder Pflanze, Winter, Austrieb, Blüte und allem, was dabei wahrscheinlich nicht auf Anhieb klappt. Genau das wäre ja der interessante Teil.

Bis dahin gilt erstmal: weitersuchen.

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