Wasser & Bewässerung fleischfressender Pflanzen

Wasser & Bewässerung

Regenwasser, Osmosewasser oder destilliertes Wasser: So gießt du Karnivoren richtig und vermeidest Kalkschäden.

Beim Gießen fleischfressender Pflanzen geht es nicht nur darum, wie viel Wasser sie bekommen. Ebenso wichtig sind die darin gelösten Mineralstoffe und die Frage, ob die Bewässerungsmethode zur jeweiligen Art passt. Viele Kulturprobleme entstehen durch ungeeignetes Wasser – andere durch die pauschale Annahme, alle Karnivoren müssten ständig tief im Anstau stehen.

Die Wasserqualität ist dabei nur ein Teil der Kultur. Einen Überblick über Licht, Substrat, Standort und weitere Grundlagen findest du in unserer Pflegeübersicht für fleischfressende Pflanzen.

Warum die Wasserqualität so wichtig ist

Viele Karnivoren wachsen an natürlichen Standorten, an denen nur wenige Nährstoffe und gelöste Mineralsalze verfügbar sind. Beim Verdunsten verlässt das Wasser den Topf, Kalk und andere Salze bleiben jedoch zurück. In kleinen Gefäßen können sie sich deshalb mit der Zeit im Substrat anreichern.

Wie empfindlich eine Pflanze darauf reagiert, hängt unter anderem von der Art, der Topfgröße, dem Substrat und den Kulturbedingungen ab. Eine starre Härtegrenze für sämtliche Karnivoren wäre zu pauschal. Als praktische Grundregel gilt trotzdem: Für die meisten verbreiteten Arten ist dauerhaft mineralarmes Wasser die sicherste Wahl.

Welches Wasser eignet sich für fleischfressende Pflanzen?

Regenwasser

Sauber gesammeltes Regenwasser eignet sich für viele fleischfressende Pflanzen sehr gut. Es enthält gewöhnlich deutlich weniger gelöste Mineralstoffe als hartes Leitungswasser. Die Qualität hängt allerdings davon ab, wo und wie es gesammelt und gelagert wird.

Staub, Blätter, Vogelkot und andere Ablagerungen können mit dem ersten Regen vom Dach in die Tonne gespült werden. Ein sogenannter Erstablauf, der die erste verschmutzte Wassermenge ableitet, kann den Eintrag reduzieren. Auch eine Abdeckung und ein feines Gitter am Zulauf sind sinnvoll.

Osmosewasser

Wasser aus einer Umkehrosmoseanlage enthält nur noch einen kleinen Teil der ursprünglich gelösten Mineralstoffe. Es ist eine gute Alternative, wenn kein geeignetes Regenwasser vorhanden ist oder regelmäßig größere Mengen benötigt werden.

Destilliertes und demineralisiertes Wasser

Destilliertes oder demineralisiertes Wasser kann ebenfalls verwendet werden. Bei technischem Wasser sollte man darauf achten, dass keine Duftstoffe, Reinigungszusätze oder andere Beimischungen enthalten sind. Eine pauschale Beimischung von Leitungswasser ist nicht notwendig.

Leitungswasser

Leitungswasser ist nicht überall gleich. In Regionen mit sehr weichem Wasser kann es bei manchen Arten funktionieren. Hartes oder stark mineralhaltiges Wasser führt in kleinen Töpfen dagegen schnell zu Ablagerungen.

Abkochen löst das Problem nur teilweise. Ein Teil der Karbonathärte kann ausfallen, andere gelöste Stoffe bleiben jedoch im Wasser. Auch bloßes Abstehenlassen entfernt Kalk und Mineralsalze nicht. Wer Leitungswasser verwenden möchte, sollte deshalb die Analyse des örtlichen Wasserversorgers prüfen oder die elektrische Leitfähigkeit messen.

Mineral- und Quellwasser

Mineralwasser ist meist ungeeignet. Gerade die Mineralstoffe, mit denen auf dem Etikett geworben wird, können sich im Substrat anreichern. Auch natürliches Quellwasser ist nicht automatisch mineralarm.

Regenwasser sammeln und lagern

Eine Regentonne sollte möglichst abgedeckt sein und nur wenig Laub oder andere organische Rückstände enthalten. Ein feines Gitter am Zulauf verhindert, dass größere Insekten in den Behälter gelangen. Gleichzeitig erschwert es Stechmücken, ihre Eier im gespeicherten Wasser abzulegen.

Trübes Wasser ist nicht automatisch unbrauchbar. Riecht es jedoch faulig, enthält es größere Mengen zerfallender Pflanzenreste oder bildet sich eine dicke Ablagerung am Boden, sollte die Tonne gereinigt werden.

Können Trauermücken oder Läuse im Regenwasser sein?

Ich hatte bei länger gelagertem Regenwasser wiederholt den Eindruck, dass danach häufiger kleine Tiere in den Töpfen auftauchten. Einen direkten Zusammenhang kann ich daraus aber nicht sicher ableiten.

Trauermücken entwickeln sich normalerweise im feuchten Substrat und nicht frei in einer Regentonne. Ihre Larven leben dort von Pilzen, organischen Rückständen und teilweise von geschädigten Wurzeln. Gerade dauerhaft feuchte, torfhaltige Substrate bieten ihnen gute Bedingungen. Regenwasser ist deshalb vermutlich nicht der wichtigste Übertragungsweg.

Wie du Trauermücken und andere Schädlinge erkennst, welche Rolle Gelbtafeln spielen und wie Nematoden gegen die Larven eingesetzt werden, erklärt der ausführliche Erste-Hilfe-Ratgeber.

Einzelne erwachsene Trauermücken, Blattläuse oder andere kleine Tiere können natürlich zufällig in eine offene Tonne geraten und beim Gießen mit ausgeschüttet werden. Bei Blattläusen sind zugeflogene Tiere oder neu eingebrachte Pflanzen jedoch deutlich wahrscheinlichere Ursachen für einen Befall.

Bewegen sich sichtbare Larven schlängelnd im Wasser, handelt es sich häufig eher um Stechmückenlarven. Diese entwickeln sich tatsächlich in stehendem Wasser. Eine gut schließende Abdeckung oder ein feinmaschiges Gitter ist deshalb wirksamer als eine spätere Behandlung des Wassers.

Meine Erfahrung mit einem Kaffeefilter

Eine Zeit lang habe ich Regenwasser aus der Tonne vor dem Gießen durch einen normalen Kaffeefilter laufen lassen. Der Filter hält gröbere Schmutzteilchen, Algenreste, tote Insekten und sichtbare Larven zurück. Als einfache mechanische Vorreinigung kann das durchaus etwas bringen.

Er entfernt aber weder gelöste Mineralstoffe noch zuverlässig Keime und verhindert keinen Trauermückenbefall im Substrat. Notwendig ist diese Methode deshalb nicht. Bei sichtbar verschmutztem Wasser kann sie trotzdem sinnvoll sein; auf Dauer ist ein waschbares Feinsieb am Zulauf oder Auslauf praktischer.

Fleischfressende Pflanzen richtig gießen

Die Anstaumethode

Viele verbreitete Moorarten lassen sich gut im Anstau bewässern. Dabei steht der Pflanztopf in einem Untersetzer oder Übertopf mit einem kleinen Wasservorrat. Das Substrat nimmt das Wasser durch die Abzugslöcher von unten auf.

Diese Methode eignet sich häufig für Venusfliegenfallen, zahlreiche Sonnentauarten und viele Schlauchpflanzen. Es ist nicht immer nötig, den Untersetzer sofort nachzufüllen. Je nach Temperatur, Topfgröße und Pflanze kann man warten, bis der Vorrat weitgehend verbraucht ist.

Dauerhaft tiefer Anstau bei niedrigen Temperaturen, schwachem Licht und ruhendem Wachstum kann dagegen zu sauerstoffarmen Bedingungen im Substrat beitragen. Die Wassermenge sollte daher nicht starr nach Kalender, sondern nach Art und Kulturbedingungen angepasst werden.

Gießen von oben

Nicht jede Karnivore sollte dauerhaft im Anstau stehen. Kannenpflanzen, manche Fettkräuter und epiphytisch wachsende Arten werden häufig gleichmäßig feucht gehalten, ohne dass der Topf ständig im Wasser steht.

Beim Gießen von oben muss überschüssiges Wasser gut ablaufen können. Gelegentliches gründliches Durchspülen mit mineralarmem Wasser kann außerdem helfen, bereits gelöste Stoffe aus dem Substrat auszutragen.

Wie lange eine Mischung Wasser speichert und wie schnell sich Mineralien darin anreichern, hängt stark vom Aufbau des Topfes ab. Mehr dazu findest du unter Substrat und Umtopfen bei fleischfressenden Pflanzen.

Persönliche Erfahrung: Töpfe mit geschlossenem Wasserspeicher

Für kleinere Karnivoren verwende ich gerne Pflanzgefäße mit einem herausnehmbaren Pflanzeinsatz und einem größeren Wasserspeicher im unteren Teil des Topfes. Der Einsatz sitzt relativ dicht im Übertopf. Dadurch ist die Wasseroberfläche kaum offen und weniger Staub, Pflanzenteile oder Insekten gelangen in den Vorrat.

Nach meiner Erfahrung verdunstet deutlich weniger Wasser als bei einem offenen Untersetzer. Ich habe außerdem den Eindruck, dass der Vorrat länger sauber bleibt. Beides dürfte vor allem daran liegen, dass der Pflanzeinsatz den Speicher weitgehend abschirmt – nicht an der Farbe des Gefäßes.

Ich nutze unter anderem Töpfe nach dem Prinzip des Lechuza MINI-CUBI. Ähnliche und oft günstigere Gefäße gibt es auch von anderen Herstellern. Entscheidend ist nicht die Marke, sondern ein ausreichend großer Wasserspeicher, ein passender Pflanzeinsatz und die Möglichkeit, den Vorrat zu kontrollieren und zu reinigen.

Wichtig: Mitgelieferte vorgedüngte Substrate verwende ich für Karnivoren nicht. LECHUZA-PON enthält beispielsweise Langzeitdünger. Ich nutze deshalb nur das Gefäß und das Bewässerungsprinzip und fülle ein zur jeweiligen Karnivorenart passendes, ungedüngtes Substrat ein.

Meine Lösung für heiße Tage: Blumat-Keramikkegel

An sehr heißen Tagen verwende ich bei Pflanzen, die gleichmäßig feucht bleiben sollen, zusätzlich Keramikkegel mit einer aufgesteckten Wasserflasche. Bei mir kommt dafür Blumat Easy zum Einsatz. Auf den porösen Tonkegel passt eine handelsübliche Kunststoffflasche; ich verwende meistens eine Ein-Liter-PET-Flasche mit geeignetem, mineralarmem Wasser.

Ich fülle zuerst wie gewohnt den Wasserspeicher beziehungsweise den Übertopf. Danach stecke ich den Keramikkegel zusätzlich in das feuchte Substrat. Das Wasser sickert langsam durch den Ton in den Topf und dient als Reserve. Bisher ist mir dabei kein Topf übergelaufen, und an heißen Tagen habe ich je nach Pflanze und Wetter für einige Tage Ruhe.

Der Hersteller gibt für Blumat Easy eine langsame, ungefähr gleichmäßige Wasserabgabe an. In der Praxis hängt die Laufzeit aber von Flaschengröße, Temperatur, Topf, Substrat und Wasserverbrauch der Pflanze ab. Vor einer längeren Abwesenheit sollte man das System deshalb einige Tage am vorgesehenen Standort testen.

  • Die Flasche muss stabil stehen und darf den Topf nicht kopflastig machen.
  • Der Tonkegel sollte fest im bereits feuchten Substrat sitzen.
  • Auch in der Flasche verwende ich nur geeignetes mineralarmes Wasser.
  • Wenn die Wasserabgabe nachlässt, kann der Kegel verschmutzt oder durch Algen zugesetzt sein und sollte gereinigt werden.

Für mich ist das keine Dauerlösung für jede Pflanze, sondern eine praktische Ergänzung bei Hitze oder kurzer Abwesenheit. Arten mit trockener Ruhephase oder deutlich geringerer Feuchte benötigen weiterhin eine angepasste Bewässerung.

Unterschiede zwischen den Pflanzengruppen

Venusfliegenfallen und Schlauchpflanzen

Während der Wachstumszeit vertragen sie meist einen deutlichen Anstau. In der kühlen Winterruhe sollte das Substrat weiterhin feucht bleiben, muss aber nicht ständig tief im Wasser stehen.

Sonnentau

Viele verbreitete Sonnentauarten wachsen gut im Anstau. Die Gattung ist allerdings sehr vielfältig. Winterharte, tropische, knollenbildende und zwergwüchsige Arten besitzen unterschiedliche Wachstums- und Ruhezeiten.

Fettkräuter

Auch bei Fettkräutern gibt es keine einheitliche Regel. Temperierte Arten wachsen oft an feuchten Standorten. Manche mexikanischen Fettkräuter bilden dagegen sukkulente Winterblätter und werden in dieser Phase deutlich zurückhaltender bewässert.

Kannenpflanzen

Nepenthes mögen meist ein gleichmäßig feuchtes, zugleich luftiges Substrat. Dauerhafter tiefer Anstau passt nicht automatisch zu ihrem Wurzelraum. Auch innerhalb der Gattung unterscheiden sich die Ansprüche.

Wasserschläuche

Aquatische Wasserschläuche leben frei im Wasser. Terrestrische Arten wachsen dagegen in nassem oder sehr feuchtem Substrat. Beide Gruppen lassen sich deshalb nicht mit derselben Bewässerungsregel beschreiben.

Sommer, Winter und Ruhezeiten

Der Wasserverbrauch hängt nicht nur von der Jahreszeit ab. Licht, Temperatur, Luftbewegung, Topfgröße und Wachstum spielen ebenfalls eine Rolle. An einem heißen, sonnigen Tag kann ein kleiner Topf sehr schnell austrocknen. Bei kühler Überwinterung und wenig Licht wird dagegen deutlich weniger Wasser verbraucht.

Wie stark sich Standort und Beleuchtung auf Verdunstung und Wachstum auswirken, erklären wir ausführlicher unter Licht und Standort für fleischfressende Pflanzen.

Typische Fehler bei der Bewässerung

  • dauerhaft hartes oder stark mineralhaltiges Leitungswasser
  • vollständiges Austrocknen feuchtigkeitsliebender Arten
  • tiefer Anstau bei kühlen Ruhebedingungen
  • verschmutzte Wasserspeicher und Regentonnen
  • vorgedüngte Substrate in Selbstbewässerungstöpfen
  • dieselbe Bewässerungsregel für alle Karnivoren

Braune Blattspitzen, schlechter Wuchs oder Algen sind nicht automatisch ein Beweis für falsches Gießwasser. Lichtmangel, ungeeignetes Substrat, natürliche Blattalterung oder Wurzelschäden können ähnlich aussehen. Deshalb sollte immer die gesamte Kultur betrachtet werden.

Häufige Fragen

Kann ich Karnivoren mit abgekochtem Leitungswasser gießen?

Abkochen entfernt nur einen Teil der Härte. Für dauerhaft hartes Wasser ist es deshalb keine verlässliche Lösung.

Muss immer Wasser im Untersetzer stehen?

Nein. Viele Moorarten mögen während des Wachstums Anstau, doch Höhe und Dauer müssen zur Art, zur Jahreszeit und zum Standort passen.

Was tun, wenn versehentlich Leitungswasser verwendet wurde?

Ein einmaliges Gießen ist meist kein Grund zur Panik. Das Substrat kann anschließend mit reichlich mineralarmem Wasser durchgespült werden. Bei dauerhafter Verwendung und sichtbaren Ablagerungen kann ein Substratwechsel sinnvoll sein.

Bringt ein Kaffeefilter bei Regenwasser etwas?

Er entfernt sichtbaren Schmutz, Algenreste und größere Larven, aber keine gelösten Mineralstoffe und keinen Befall, der bereits im Substrat sitzt.

Fazit

Für viele fleischfressende Pflanzen sind sauberes Regenwasser, Osmosewasser oder geeignetes destilliertes Wasser die sicherste Wahl. Ebenso wichtig ist jedoch die passende Bewässerungsmethode. Nicht jede Karnivore gehört dauerhaft in tiefen Anstau.

Art, Jahreszeit, Temperatur, Licht, Topf und Substrat bestimmen gemeinsam, wie feucht eine Pflanze gehalten werden sollte. Geschlossene Wasserspeicher und Blumat-Keramikkegel können die Pflege erleichtern, ersetzen aber nicht die Beobachtung der jeweiligen Pflanze.

Quellen und weiterführende Hinweise