Drosera vermehren

Drosera vermehren

Samen, Blatt- und Wurzelstecklinge, Teilung, Gemmen oder Tochterknollen – die passende Methode für deinen Sonnentau.

Drosera vermehren sich über Samen und – je nach Art – über Blätter, Wurzeln, Tochterrosetten, Gemmen oder Tochterknollen. Die große Auswahl ist praktisch, aber keine Methode passt zur gesamten Gattung. Ein Sonnentau vom südafrikanischen Fensterbrett hat einen anderen Jahresrhythmus als ein australischer Winterwachser.

Welche Methode passt zu deinem Sonnentau?

  • Drosera capensis und viele subtropische Rosettenarten: Samen oder Blattstecklinge sind gute Ausgangspunkte.
  • Arten mit kräftigen, regenerationsfähigen Wurzeln: Wurzelstecklinge, etwa bei D. capensis, D. binata oder D. regia.
  • Pflanzen mit eigenständigen Tochterrosetten: vorsichtige Teilung.
  • Zwerg-Drosera: vorzugsweise Gemmen.
  • Knollendrosera: Samen oder natürlich gebildete Tochterknollen; Jahresrhythmus beachten.

Drosera aus Samen ziehen

Bei vielen unkomplizierten subtropischen Arten gelingt die Aussaat ohne besondere Vorbehandlung. Drosera capensis setzt häufig durch Selbstbestäubung Samen an. Andere Arten brauchen Fremdbestäubung oder bilden unter den eigenen Bedingungen kaum keimfähiges Saatgut. Den Artnamen zu kennen ist daher wichtiger als eine möglichst große Samentüte.

  1. Ein sauberes Gefäß mit Abzugslöchern und einem zur Art passenden, ungedüngten Substrat vorbereiten. Die Oberfläche mit mineralarmem Wasser durchfeuchten.
  2. Das sehr feine Saatgut sparsam aufstreuen. Nicht mit einer Erdschicht bedecken; vorsichtig von unten bewässern, damit die Samen nicht weggespült werden.
  3. Für subtropische Einsteigerarten hell und mäßig warm aufstellen. Eine Abdeckung kann die Oberfläche feucht halten, darf sich aber nicht in direkter Sonne aufheizen.
  4. Art, Herkunft und Aussaatdatum beschriften. Sämlinge erst vereinzeln, wenn mehrere echte Fangblätter und belastbare Wurzeln vorhanden sind.

Temperierte Arten wie D. rotundifolia benötigen häufig eine feucht-kalte Phase. Australische Knollendrosera haben dagegen artspezifische Keimbedingungen und einen winterlichen Wachstumsrhythmus. Für sie ist die Behandlung einer subtropischen Drosera kein geeignetes Standardrezept. Auch Rauch- oder Hitzebehandlungen gehören nur in eine belegte Anleitung für die konkrete Art.

Die allgemeinen Schritte und den Unterschied zwischen Lagerung und Stratifikation erklärt die Seite Karnivoren aus Samen vermehren.

Drosera über Blattstecklinge vermehren

Bei einer kräftigen D. capensis oder D. aliciae ist ein einzelnes gesundes Blatt ein überschaubarer erster Versuch. Die Mutterpflanze sollte genügend Fangblätter behalten. Besonders kleine, frisch umgetopfte oder geschwächte Pflanzen lässt du zunächst weiterwachsen.

Was passiert bei einem Blattsteckling?

Ein Blattsteckling ist keine Teilung einer bereits vorhandenen Tochterpflanze. Aus dem Gewebe des abgetrennten Blattes entstehen neue Wachstumspunkte. Die Jungpflanzen sind genetisch mit der Mutterpflanze identisch.

Das ist besonders praktisch, wenn eine bestimmte Pflanze erhalten werden soll. Bei Saatgut entsteht dagegen eine neue genetische Kombination.

Welche Blätter eignen sich?

Am besten verwendet man gesunde, voll entwickelte Blätter ohne Fäulnis oder Schädlingsschäden. Sehr alte, bereits absterbende Blätter haben weniger Reserven und faulen eher, bevor neue Pflanzen entstehen.

Das Blatt sollte möglichst vollständig entnommen werden. Bei vielen Arten funktioniert auch ein Teilstück, aber wenn genügend Material vorhanden ist, würde ich für einen ersten Versuch nicht gleich testen, wie klein man schneiden kann.

Methode 1: Blatt auf feuchtes Substrat legen

Die klassische Variante ist simpel. Das Blatt wird flach auf geeignetes, dauerhaft feuchtes Karnivorensubstrat gelegt. Wichtig ist der gute Kontakt zur Oberfläche. Ein Blatt, das trocken über dem Substrat schwebt, kann natürlich schlechter reagieren.

Hohe Luftfeuchtigkeit kann helfen, weil das abgetrennte Blatt zunächst keine eigenen Wurzeln besitzt. Gleichzeitig sollte die Luft nicht völlig stehen. Dauerhaft warme, geschlossene Behälter können schnell zu Schimmel und Fäulnis führen.

Methode 2: Sphagnum

Lebendes oder sauberes langfaseriges Sphagnum eignet sich bei vielen Arten ebenfalls gut. Das Moos hält die Umgebung gleichmäßig feucht und bleibt gleichzeitig relativ luftig.

Das Blatt wird auf das feuchte Moos gelegt oder nur leicht angedrückt. Komplett tief vergraben würde ich es nicht.

Methode 3: Wasser

Bei geeigneten Drosera kann Blattvermehrung sogar in Wasser funktionieren. Dafür wird das Blatt in ein sauberes Gefäß mit mineralarmem Wasser gelegt. Helles Licht ohne extremes Aufheizen ist sinnvoll.

Der Vorteil ist offensichtlich: Das Blatt trocknet nicht aus, und die Entwicklung lässt sich gut beobachten. Der Nachteil: Wenn das Wasser kippt oder das Blatt fault, kann der ganze Versuch schnell vorbei sein.

Sobald ausreichend große Jungpflanzen mit ersten Wurzeln entstanden sind, werden sie vorsichtig auf geeignetes Substrat gesetzt.

Wo entstehen die neuen Pflanzen?

Je nach Art können sich neue Pflanzen an verschiedenen Bereichen des Blattes bilden. Oft erscheinen zunächst winzige grüne Punkte, aus denen sich kleine Blättchen entwickeln. Anfangs sehen diese eher nach Algen oder Moos aus als nach einer zukünftigen Drosera.

Deshalb nicht zu früh entsorgen. Solange das Blatt nicht vollständig zerfallen oder verschimmelt ist, lohnt sich Geduld.

Wie lange dauert es?

Das lässt sich nicht sinnvoll auf eine feste Zahl reduzieren. Art, Temperatur, Licht, Zustand des Ausgangsblattes und Methode spielen zusammen. Bei unkomplizierten Arten können erste Pflänzchen nach einigen Wochen erscheinen; bei anderen dauert es deutlich länger.

Wurzelstecklinge: nur bei geeigneten Arten

Einige Drosera können aus kräftigen Wurzelabschnitten neue Triebe bilden. Das ist beispielsweise bei D. regia eine wichtige Vermehrungsmethode. Die feinen Wurzeln irgendeiner Sonnentauart abzuschneiden ist dagegen kein sinnvoller Versuch auf Verdacht.

  1. Eine gesunde Pflanze möglichst im Rahmen eines ohnehin anstehenden Umtopfens beurteilen. Den größten Teil des Wurzelsystems erhalten.
  2. Ein festes, gesundes Wurzelstück mit sauberem Werkzeug abtrennen. Es sollte mehrere Zentimeter lang sein und genügend Reserven besitzen.
  3. Horizontal auf geeignetes feuchtes Substrat legen und nur dünn bedecken. Gleichmäßig feucht, luftig und unter den Temperaturbedingungen der jeweiligen Art halten.
  4. Neue Triebe zunächst am Wurzelstück belassen. Erst kräftigere Jungpflanzen mit eigener Bewurzelung getrennt weiterkultivieren.

Dunkle Wurzeln sind bei Drosera nicht automatisch verfault. Entscheidend sind Festigkeit und Zustand; weiches, zerfallendes Gewebe ist ungeeignet. Die Bewurzelung wird nicht schneller, wenn man das Material regelmäßig ausgräbt.

Teilung und natürliche Tochterpflanzen

Mehrere Rosetten in einem Topf können Tochterpflanzen sein, aber auch dicht nebeneinander gekeimte Sämlinge. Prüfe zunächst, ob tatsächlich getrennte Wachstumspunkte mit eigener Basis vorhanden sind. Beim Umtopfen lassen sich ausreichend kräftige Tochterpflanzen vorsichtig lösen. Eine einzelne Rosette wird dafür nicht einfach halbiert.

Bei Arten, die von selbst Ausläufer oder Tochterpflanzen bilden, ist Geduld oft schonender als ein Schnitt. Warte, bis die neue Pflanze eigene Wurzeln hat. Saisonale Arten werden passend zu ihrer Wachstumsphase bearbeitet; während einer empfindlichen Ruhephase ist eine unnötige Wurzelstörung ungünstig.

Zwerg-Drosera und Knollendrosera: zwei eigene Wege

Zwerg-Drosera bilden kleine vegetative Brutkörper. Diese Gemmen werden reif geerntet und frisch auf feuchtes Substrat gelegt. Weil Sammlung, Abstand und spätere Wurzelempfindlichkeit besondere Aufmerksamkeit brauchen, gibt es dafür die eigene Anleitung Zwerg-Drosera aus Gemmen ziehen.

Knollendrosera können je nach Art zusätzliche Tochterknollen bilden. Nur solche eigenständigen Knollen werden in der Ruhezeit vorsichtig getrennt. Eine vorhandene Knolle wird nicht wie eine Kartoffel zerschnitten. Beim Auffinden und Wiedereinsetzen sind Beschädigungen, die artspezifische Pflanztiefe und der richtige Beginn der feuchten Wachstumszeit entscheidend.

Blattstecklinge sind auch bei einzelnen Knollendrosera dokumentiert. Daraus folgt jedoch keine allgemeine Empfehlung für diese Gruppe. Für einen ersten Vermehrungsversuch sind natürlich gebildete Tochterknollen oder eine konkrete artspezifische Aussaatanleitung besser einzuordnen.

Jungpflanzen erst stabil werden lassen

Neue Blättchen sind ein Anfang, noch keine selbstständige Pflanze. Warte mit dem Trennen auf eigene Wurzeln und mehrere entwickelte Blätter. Gewöhne Pflanzen aus geschlossenen Behältern schrittweise an mehr Luftaustausch. Kleine Rosetten dürfen dabei nicht austrocknen.

Typische Fehler bei der Drosera-Vermehrung

  • Alle Arten gleich behandeln: erst Kulturgruppe bestimmen, dann Methode wählen.
  • Zu viel Material entnehmen: die Mutterpflanze braucht Blätter und Wurzeln für die Erholung.
  • Stecklinge zu tief vergraben: besonders Blattmaterial braucht Kontakt zur Oberfläche und Licht.
  • Feuchte Hitze: eine geschlossene Box in der Sonne kann auch robuste Arten schädigen.
  • Zu früh aufgeben: Blattstecklinge können Wochen benötigen; einzelne Gruppen deutlich länger.

Häufige Fragen

Kann ich jeden Sonnentau über ein Blatt vermehren?

Nein. Die Methode ist bei vielen Arten brauchbar, aber keine Eigenschaft, auf die man sich bei der gesamten Gattung verlassen kann. Bei Zwerg-Drosera sind Gemmen meist der naheliegende Weg.

Bleibt die Farbe bei der Vermehrung erhalten?

Vegetative Nachkommen erhalten den Klon. Wie stark sie sich tatsächlich ausfärben, hängt zusätzlich von Licht und Kulturbedingungen ab. Sämlinge können genetisch abweichen.

Weiterlesen und einordnen

Quellen und weiterführende Literatur