Catopsis

Catopsis

Eine Bromeliengattung mit vielen normalen Arten – und mit Catopsis berteroniana einem ungewöhnlichen epiphytischen Karnivoren.

Catopsis gehört wie Brocchinia zu den Bromeliengewächsen. Auch hier gilt: Die Gattung ist nicht pauschal fleischfressend. Plants of the World Online führt derzeit 22 akzeptierte Arten, als karnivor wird vor allem Catopsis berteroniana behandelt.

Die Art ist außerdem ungewöhnlich, weil sie überwiegend epiphytisch wächst. Sie sitzt also auf Bäumen, ohne diesen Nährstoffe zu entziehen, und nutzt ihre wassergefüllten Blatttrichter als zusätzliche Nährstoffquelle.

Steckbrief: Catopsis

FamilieBromeliaceae (Bromeliengewächse)
OrdnungPoales
Artenzahl22 akzeptierte Arten nach Plants of the World Online
Karnivorievor allem für Catopsis berteroniana anerkannt
Verbreitung der Gattungtropisches und subtropisches Amerika
Wuchs von C. berteronianameist epiphytisch
Fallenartwassergefüllte Zisternen- bzw. Trichterfalle
Verdauungvor allem über Mikroorganismen im Tank; gelöste Nährstoffe werden von der Pflanze aufgenommen

Warum Catopsis berteroniana auffällt

Viele Bromelien sammeln Wasser zwischen ihren Blättern. In solchen kleinen Wasserbecken landen zwangsläufig auch Staub, Blätter, Insekten und andere organische Reste. Das allein macht eine Bromelie noch nicht karnivor.

Bei C. berteroniana ist der Fang jedoch auffällig effizient. Eine klassische Vergleichsstudie aus Florida zeigte, dass die Art deutlich mehr terrestrische Gliederfüßer in ihren Blatttrichtern fing als mehrere andere untersuchte Bromelien. Im Experiment waren es pro Pflanze etwa zwölfmal so viele.

Das spricht dafür, dass die Rosette nicht nur zufällig als Regentonne funktioniert, sondern Eigenschaften besitzt, die den Tierfang begünstigen.

Eine helle, rutschige Falle

Die Blätter von C. berteroniana sind mit einem hellen, wachsartigen Belag bedeckt. Dieser kann ultraviolettes Licht stark reflektieren. Für Insekten, die UV wahrnehmen können, wirkt die Pflanze dadurch anders als für das menschliche Auge.

Gleichzeitig erschwert die Oberfläche den Halt. Tiere, die auf die inneren Blattbereiche geraten, können in das gesammelte Wasser rutschen und dort ertrinken.

Damit ähnelt das Grundprinzip den karnivoren Brocchinia-Arten, obwohl beide Linien ihre Karnivorie nach heutigem Verständnis unabhängig voneinander entwickelt haben.

Wer verdaut die Beute?

Catopsis berteroniana produziert nach aktuellem Kenntnisstand keine ausgeprägte Palette eigener Verdauungsenzyme wie etwa Drosera oder Nepenthes.

Stattdessen übernehmen Bakterien und andere Organismen im Wasser einen erheblichen Teil des Aufschlusses. Aus den Tierkörpern werden dadurch lösliche Nährstoffe freigesetzt, die anschließend über die Blätter aufgenommen werden können.

Moderne Übersichten führen solche Pflanzen häufig als hemi- oder parakarnivor. Das beschreibt keinen „unechten“ Tierfang, sondern eine Form der Karnivorie, bei der die Verdauungsarbeit teilweise ausgelagert wird.

Nicht jedes Tier im Tank ist Beute

Die Sache wird noch interessanter, weil die Blatttrichter zugleich Lebensraum sein können. In C. berteroniana wurden beispielsweise Mückenlarven der Gattung Wyeomyia gefunden, die sich im Wasser entwickeln.

Die Pflanze besitzt also keine sterile Verdauungskanne. Ihr Tank ist ein kleines Ökosystem, in dem einige Tiere ertrinken, andere leben und Mikroorganismen organisches Material zerlegen.

Gerade solche Systeme zeigen, dass Karnivorie in der Natur deutlich weniger sauber abgegrenzt sein kann als die klassische Vorstellung „Pflanze fängt Tier und verdaut es allein“.

Verbreitung

Catopsis berteroniana besitzt ein großes neotropisches Verbreitungsgebiet. Plants of the World Online führt die Art vom Süden Floridas und dem südöstlichen Mexiko über Mittelamerika und die Karibik bis in Teile Südamerikas.

Als Epiphyt sitzt sie häufig erhöht in der Vegetation. Gerade dort ist die Versorgung über normalen Boden eingeschränkt, sodass Nährstoffe aus Regenwasser, Staub und tierischem Material besonders wertvoll sein können.

Keine Kulturbox

Auch hier bleibt Monsterpflanzen.de bewusst bei der biologischen Einordnung. Catopsis ist keine Gattung, zu der eigene langfristige Kulturerfahrung vorliegt, und eine allgemeine Bromelien-Pflegeanleitung würde den speziellen Ansprüchen einzelner Arten kaum gerecht.

Fazit

Catopsis berteroniana ist einer der ungewöhnlichsten Vertreter im Karnivoren-Spektrum: eine epiphytische Bromelie, deren Blatttrichter Insekten fangen und deren Nährstoffe mit Hilfe eines mikrobiellen Systems erschließen.

Für die Gattung gilt aber dieselbe Vorsicht wie bei Triantha: Der karnivore Status einer Art darf nicht automatisch auf alle übrigen Arten übertragen werden.

Quellen & weiterführende Literatur